Share-Online.biz: Polizei macht Filehoster dicht

Irgendwas ist beim populären Filehoster Share-Online.biz geschehen, denn nicht nur Uploader beschwerten sich am Mittwoch in immer größerer Anzahl über Probleme. Am Donnerstag liegen nun die Informationen vor, was genau da passiert ist. Deutsche Behörden haben den Hoster wegen der illegalen Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten vom Netz genommen. Wie die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen, GVU, am Donnerstag mitteilt , erfolgte am Mittwoch die Durchsuchung von Wohn- und Geschäftsräumen durch die Polizei in Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich. Um 14 Uhr wurde dann schließlich Share-Online.biz vom Netz genommen.

An den Ermittlungen und Maßnahmen waren unter anderem die Cybercrime-Spezialisten der Staatsanwaltschaft Köln und des Polizeipräsidiums Aachen beteiligt. Anlass des Verfahrens war ein Strafantrag, den die GVU bereits im Jahr 2017 eingereicht hatte. „Wo bisher alle straf- und zivilrechtlichen Ansätze diverser Akteure ins Leere zu laufen schienen, konnte die GVU nun einen bahnbrechenden Erfolg für ihre Mitglieder und die Kreativwirtschaft insgesamt erzielen“, teilt die GVU mit.

Betreiber verdienten über 50 Millionen Euro

Bei den Razzien am Mittwoch konnten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sichern. Den drei Beschuldigten im Alter von 40, 48 und 54 Jahren wird die „Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke“ in einer Vielzahl von Fällen vorgeworfen. Aufgrund der Arbeitsweise sei Share-Online.biz vor allem in der Piraterie-Szene beliebt gewesen. Aus einschlägigen Foren wurden Links verbreitet, die zu urheberrechtlich geschützten Inhalten führten, die sich auf Servern von Share-Online.biz befanden. Um die Identifizierung der Downloads für Rechteinhaber zu erschweren, setzte der Dienst einen eigenen Link-Verschlüsselungsdienst namens Share-Links ein.

Vor einer rechtlichen Verfolgung versuchten sich die Betreiber zu drücken, indem sie den Firmensitz offiziell nach Belize verlegten. Zwischen 2008 und 2017 sollen die Betreiber über ihren Filehoster-Dienst über 50 Millionen Euro verdient haben – nicht zuletzt also auch auf Kosten der Rechteinhaber. Die Serverkapazität habe im zweistelligen Petabyte-Bereich gelegen.

Illegale Downloads landeten immer wieder auf den Servern

Die GVU weist darauf hin, dass die Seite von Share-Online.biz bis zu 10 Millionen Besucher monatlich hatte und auf mehreren hundert Servern millionenfach Dateien gehostet wurden. Darunter auch eine Vielzahl von urheberrechtlich geschützten Inhalten. Allein im Jahr 2017 habe die GVU über einen Dienstleister acht Millionen Lösch-Aufforderungen an Share-Online.biz verschickt, um nicht lizenzierte Inhalte von den Servern zu löschen. Der Dienst habe sich damals kooperativ gezeigt, allerdings seien die beanstandeten Inhalte kurze Zeit später wieder verfügbar gewesen.

„Diese aus dem Takedown-Projekt gewonnenen Erkenntnisse und Daten konnte die GVU der federführenden Staatsanwaltschaft direkt zur Verfügung stellen, um den Vorwurf der Beihilfe zur gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung zu untermauern. Zusätzlich wurden die staatlichen Ermittler durch spezifische Analysen und exakt dokumentierte Test-Downloads proaktiv von GVU-Mitarbeitern unterstützt“, erklärt die GVU.

Die GVU-Geschäftsführerin Evelyn Ruttke kommentiert den Erfolg mit den Worten: „Erstmals stehen hier Filehoster-Betreiber im Fokus eines strafrechtlichen Urheberrechts-Verfahrens, weil sie Portalseiten und Foren wie DDL-Warez, Boerse, Movie-Blog und MyGully durch Partnerprogramme und Provisionszahlungen unterstützt und finanziert haben sollen.“

Die „Luft“ für Personen, die Urheberrechtsverletzungen begehen, werde immer dünner, so Ruttke. Und sie verweist darauf, dass im November 2018 die Mitarbeiter einer Internetwerbeagentur wegen Beihilfe zu gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzungen verurteilt wurden. Das gleiche Schicksal drohe nun auch den Betreibern von Share-online.biz.

Quelle: PC Welt